Beim Neujahrsempfang des CDU-Stadtverbands Garbsen wurden am Donnerstagabend zwei Politiker für 50-jährige Parteimitgliedschaft ausgezeichnet. Dieter Haaßengier machte sich als erster Generalsekretär in Niedersachsen einen Namen. Dietmar Kansy war am Bau des Berliner Regierungsviertels beteiligt.

Garbsen-Mitte. Die Laudatio für die Geehrten hielt der Garbsener Ratsvorsitzende Hartmut Büttner, der beide seit Jahrzehnten kennt. Und so konnte er sich auch erlauben, Haaßengier liebevoll als „politisches Schlitzohr“ zu bezeichnen. Dieses Image habe sich der heute 82-Jährige bereits Ende der Sechzigerjahre erarbeitet. Damals habe er es innerhalb einer teils zerstrittenen Partei mithilfe seiner „Pfiffigkeit“ zum ersten Generalsekretär in Niedersachsen geschafft. „In dieser Zeit nahm Dieter Haaßengier die Rolle des politischen Wadenbeißers ein“, sagte Büttner.

Auch in Garbsen habe Haßengier die inhaltliche Auseinandersetzung nie gescheut. So sei er in den Siebzigerjahren mit Schülern und Lehrern der IGS aneinandergeraten. Der Grund für den Streit war der nach Ansicht der CDU um sich greifende Hang zum Sozialismus und Kommunismus an der Schule.

Den politischen Streit hat auch Dietmar Kansy nie gescheut, betonte Büttner. Sein Gegenüber war dabei zum Beispiel der Architekt Norman Foster. Dieser plante nach der Wende den Um- und Ausbau des Regierungsviertels in Berlin. Und genau da hatte Kansy als Vorsitzender der Baukommission des Bundestages ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Und so durfte der Garbsener damals als einer von drei Rednern bei der Eröffnung des neuen Plenarsaals sprechen – neben dem Architekten und dem damaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse.

Nach der Ehrung – von Angela Merkel unterschriebene Urkunde inklusive – ergriff Haaßengier selbst das Wort. In seiner kurzen Dankesrede bestätigte er das zuvor angesprochene Schlitzohr-Image. Er wäre bei vor lauter Lob beinahe rot geworden, sagte der Christdemokrat. „Aber das geht bei einer Veranstaltung der Schwarzen natürlich nicht.“

Elmar Brok wirbt mit viel Herz für Europa

Kurz vor Ende seiner Rede musste Ehrengast Elmar Brok eine Pause einlegen. Die Gäste des CDU-Neujahrsempfangs unterbrachen den erfahrenen EU-Politiker – mit Applaus. Brok war thematisch gerade beim drohenden Rechtsruck in Europa und der Rolle der AfD in Deutschland angelangt und mahnte lautstark: „Der Nationalismus hat dieses Land immer ins Unglück geführt, wir müssen uns entschlossen dagegen engagieren.“

Solche klaren Worte kommen an. Und Brok, der für seinen Vortrag keine Notizen brauchte, ist ein Mann der deutlichen Sprache. Leidenschaftlich und mit der richtigen Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor warb er für die EU. „Wir alle sind Europa“, betonte der Ostwestfale und verwies auf die Vorteile des Bündnisses. Ohne die EU hätte die Finanzkrise Deutschland deutlich härter getroffen, sagte er. Künftig müsse vor allem eine gemeinsame Lösung für die Flüchtlingsfrage gefunden werden.

Bevor er sich in den Zug gen Heimat setzte, durfte sich Brok ins Goldene Buch der Stadt Garbsen eintragen. Eine Ehre, die offenbar selbst einem Stammgast sämtlicher Polit-Talkshows nicht oft widerfährt. „Ich bin richtig gerührt“, sagte Brok.

Quelle: haz.de

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